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Wie so eine Außenlandung ablaufen kann
Flug vom 22. Juni 2008 - Landung in Pernitz [IGC Datei]
Text und Bilder: Karl Zach

Hochdruckwetter, kaum Wind, heiß, abends Gewitter möglich. Mit 1500 Schlepp zum Hengst kommt man aber doch weg, und es wird ein recht schöner Flug.

Am Nachmittag sieht es dann im Mürztal und im Bereich Schneealm bis Semmering schon sehr dunkel aus, man sieht zum Teil, daß es dort schrecklich schüttet.

Also versuche ich nach ca 6 Stunden Flugzeit die Nordroute über Mariazell, Gippel, Göller, Obersberg, Schwarzau im Gebirge, Handlesberg, Dürre Wand und dann nördlich entlang dem Piestingtal oder südlich der Hohen Wand zum Platz.

Bei Mariazell sieht es schon recht nach einem Ende des Fluges aus, östlich der Bürgeralm geht es aber langsam wieder hinauf, unter der Basis bilden sich eigenartige "Korkenzieher" (Konvergenzen). Die 2.380 Meter lassen rechnerisch LOXN erreichbar scheinen. Über Gippel und Göller geht es so mit plus 200 Meter dahin (dazu noch 200 Meter Ankunfts- Sicherheitshöhe).

Südlich ist alles schwarz, vom Gewitter ziehen die Nebelfetzen am Boden vom Höllental nach Norden.

Schwarzau im Gebirge (17:24 Uhr, Höhe 1810 Meter) wird passiert, noch immer 200 Meter plus. Die Luft ist ruhig bis tot, die Sicht Richtung Osten gut, über das Nordende der Hohen Wand erkennt man den Steinbruch von Loretto. Auf der Südseite Schneeberg und rund um die Rax steht das Gewitter.

Es geht weiter, unter mir die Außenlandewiese in Schwarzau im Gebirge, dort war ich schon. Bis zur Tankstellenwiese in Pernitz reicht es nun ganz sicher. Ich fliege so brav und langsam wie selten, und am Beginn der Dürren Wand trägt es über dem Grat (17:30 Höhe 1460).

Etwa in der Mitte der Dürren Wand bin ich in Kammhöhe, ich muß mich entscheiden, vermute einen Nordwind und nehme also die Nordseite. Plötzlich geht es mit 2 Meter bergab, innerhalb von vielleicht 2 Kilometern sind aus den Plus 200 Meter Minus 50 geworden, Loretto ist hinter der Hohen Wand verschwunden (17:33, Höhe 1280). So schnell geht das ...

Es war wohl ein leichter Südwind gewesen, und die richtige Linie führte von der Dürren Wand zur Plackles im Süden der Hohen Wand. Wie ich später erfahre, fliegt DD mit dem Ventus 2 so, und kommt nach Hause.

Also, auf der Tankstellenwiese am Westrand von Pernitz wollte ich schon immer landen. Ich bin allerdings nicht wirklich motiviert, nirgends ein Hauch von Aufwind, die Sonne brennt ins Cockpit, viele Wiesen in der Gegend, aber ich weiß ja schon alles, auf zur Tankstellenwiese (deren Höhe ca 450 NN).

Am Westende von Pernitz geht die Bundesstraße nach Gutenstein. Im rechten Winkel dazu, also von Süden Richtung Norden über die Straße anzufliegen, gibt es mehrere ca 300 Meter lange Wiesenstreifen, am Ende beginnt der bewaldete Berghang. Bei einer der Wiesenstreifen steht am Beginn eine alte aufgelassene Tankstelle, daher der Name.

Keiner der Wiesenstreifen gefällt mir so richtig, teils schmal, teils mit komischen Bewuchs, eine mit Traktor, eine mit einem Friedhof am Anfang. Ich entscheide mich für den breitesten Streifen, vor der zu überfliegenden Straße gibt es zwar Bäume, aber die Wiese dahinter ist ja lang (17:39 Höhe 800). Die Bäume stehen gut 50 Meter vor Beginn der Wiese, dann kommt die Eisenbahn, die Straße, dann die Wiese.

Ich beginne 2 Kreise, um mir noch alles genau anzusehen (17:41 Höhe 700 Meter). Andere Wiesen gäbe es auch noch, aber man soll zu seiner Entscheidung stehen, und jetzt noch auf die Suche gehen? Mir ist nicht ganz wohl, die Bäume vor der Straße im Anflug werden immer höher, je niedriger ich bin.

Ich gehe in den Gegenanflug (15:42:38 Höhe 650). Wie immer kostet es massiv Überwindung, den Gegenanflug - hier noch dazu ins ansteigende Gelände - ausreichend weit zu machen (Zur Erinnerung, in der Sekunde kommt man ca 30 Meter weit).

Wegen der Sonne kann ich am Ipaq die Groundspeed nicht ablesen, daher kann ich mit dem Fahrtmesser nicht vergleichen und kann mir kein Bild über allfälligen leichten Wind machen.

Ich mache eine große flache "Endanflugkurve" (15:43:18 Höhe 560 Meter), alles schaut gut aus, ich bin ausreichend weit weg für einen langen Endanflug. Jetzt heißt es Fahrt halten (knapp unter 100 kmh), und knapp über die in Sekunden immer mehr wachsenden Bäume zur Landestelle. Spätestens in der Mitte der Wiese möchte ich aufsetzen.

Die Bäume sind schwer einzuschätzen, verschiedene Bäume (Tanne, Laubbäume), in der Tiefe gestaffelt, verschieden hoch. Ein knappes Überfliegen scheint mir zu riskant, weil ich unter Umständen den einen höchsten Baum übersehen könnte.

Das wird knapp, die Bäume sind jedenfalls so hoch. Ich werde bei den Bäumen noch mehr als 30 Meter hoch sein, und ca 250 Meter nach den Bäumen muß ich aufsetzen. Ich fühle mich nicht sehr gut, aber es kommt keine Panik auf (Mitte des Endanflugs 15:43:35 Höhe 520, Groundspeed 115 kmh, also - rückblickend - leichter Rückenwind).

Ich warte ab, knapp und langsam über die Bäume (ca 15:43:43 Höhe 500 Meter, 115 kmh und 3,5 Meter sinken), ca noch 40 Meter über dem Boden. In diesem Augenblick erkenne ich, daß ich ganz am Ende der Wiese aufsetzen werde, und es sich mit dem Stehenbleiben kaum mehr ausgehen kann.

Ich entschließe mich spontan zu einem Slip - der Cirrus slipt schön, und ich übe es auch immer wieder, natürlich wird am Platz hoch genug ausgeleitet.

Dann geht alles immer schneller, das Flugzeug sinkt deutlich stärker, ich habe den Slip ca in 10 Meter Höhe beendet (15:43:49 in 467 Meter, nur mehr 1,5 Meter sinken, 115 kmh).

Das Ende der Wiese ist furchtbar nahe, ich habe beim Ausleiten zuwenig das Höhenruder nachgelassen, ich merke daß ich langsam bin, der Cirrus fühlt sich komisch an, der Boden ist nahe, plötzlich kippt das Flugzeug nach links vorne, ich schlage mit Bug, Hauptrad und linker Fläche gleichzeitig auf, es schleudert mich nach vorne, der Sporn knallt auf den Boden (15:43:59 in Höhe 447 Meter) und es geht trotz allem mit etwa 60 kmh dahin, bis der Vogel nach weiteren 50 Metern stehen bleibt (15:44:04).

Ob ich die Bremsklappen nach dem Ausleiten des Slips noch eingefahren habe, weiß ich nicht. Eher nicht, die auf mich einstürmenden Eindrücke - der Berghang am Ende, der Flieger nicht mehr so, wie ich ihn gewohnt bin - waren zu stark.

Das Flugzeug steht, ich spüre es im Kreuz und der Halswirbelsäule, und erwarte lauter kleine Teile GFK.

Ich kann aussteigen, finde das Flugzeug ganz. Es ist sehr heiß, leichter Rückenwind (aus Süden). Beim Aufschlag hat das Hauptrad im harten ebenen Ackerboden eine 3 Meter lange Furche gezogen, in der von etwa 90 kmh auf 60 kmh verzögert wurde.


Die Fehler:
  • Ich habe nicht erkannt, daß leichter Südwind war. Ich hätte dann zur Südseite Hohe Wand fliegen können, was wahrscheinlich bis nach Hause getragen hätte und die angenehmere Landwiesen aufgewiesen wäre.
  • Ich habe nicht berücksichtigt, daß es im Piesting-Tal entlang der Hohen Wand stark kanalisiert, und man dort Richtung Osten unweigerlich in Schwierigkeiten kommt.
  • 200 Meter Plus bei 60 Kilometer Entfernung sind gar nichts, eine falsche Entscheidung beim Flugweg und das Plus ist in 2 Minuten weg.
  • Kanalisierungen sind fürs Heimkommen immer tödlich.
  • Vorbereitete Landewiesen engen den Horizont ein.
  • Das Wichtigste an einer Landewiese ist der freie Anflug, eigentlich weiß ich das und predige das auch ständig.
  • Unregelmäßig stehende Bäume sind schwer knapp zu überfleigen.
  • Ich habe mich nicht schon Mitte des Endanflugs auf den Slip nach den Bäumen eingestellt, sondern den Entschluß erst über den Bäumen getroffen und damit wertvolle Sekundenbruchteile verschenkt. Auch hätte ich dann mit mehr Konzentration ausgeleitet (?).
  • Wenn die Äußeren Eindrücke sehr stark sind, bleibt das fliegerische Können auf der Strecke. Ich hätte nur mit dem Beenden des Slips das Höhenruder nachlassen müssen.
  • Der Blick zum schrecklich Nahen Ende der Wiese war in diesem Augenblick wahrscheinlich auch nicht hilfreich.
  • Alles geht so schnell, vieles kann man nicht, weil die Aufmerksamkeit nicht beim Fliegen ist.
  • Trotz Flugwegaufzeichnung mit 2 Sek Intervall ist nicht alles nachvollziehbar, auch kann man aus der Erinnerung nicht alles nachvollziehen.

Das Resümee:
  • Nichts richtig falsch gemacht, aber auch überhaupt nichts wirklich richtig.
  • Alles geht wahnsinnig schnell, der Zeitdruck ist groß und das Ende unausweichlich - daher oben die Zeit und Höheangaben.
  • Ob man trotzdem Streckenfliegen geht, muß jeder für sich entscheiden.
  • Daß Streckenfliegen und damit Außenlanden es nicht ohne ist, daß man in blöde Situationen so langsam hineinrutscht, und dann eine optimale Lösung in der Eile nicht immer gefunden werden kann, wollte ich hier aufzeigen.




Richtung Süden. Die Steuerung war schon abgehängt, daher ist nur eine Bremsklappe zu sehen, und die Querruder hängen wie Schlappohren hinunter.


Bäume am Beginn der Wiese


Das Weitwinkel macht die Wiese länger


Die Furche


In Landerichtung - Der Hang am Ende







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