Die Gold Challenge in Nitra

Die Gold Challenge in Nitra stellte den Auftakt zur Saison 2013. Zwischen der Fläche des Panonischen Beckens, dem Atomkraftwerk Mochovce und den südlichen Ausläufern der Karpaten befindet sich das Nitra/Slowakei, ein Segelflieger-Hotspot, bei dem jedes Jahr der internationale Pribina Cup stattfindet und heuer sogar die Österreichischen Staatsmeisterschaften abgehalten wurden. Durch die GoldChallenge sollen Segelflugschein- Neulinge mit ersten Streckenflugerfahrungen tiefer mit dem Überland- Fliegen vertraut gemacht werden. Dabei werden üblicherweise Gruppen mit einem Trainer und 3-4 Teilnehmern gebildet, die den Flug gemeinsam meistern. Zwei Piloten des ASKÖ Flugsport Wien nahmen heuer an der Goldchallenge teil.

An dieser Stelle sei noch zu erwähnen, dass die Organisation der Veranstaltung durch Klaus Ertl und die Betreuung durch Sonja Ertl, Hermann Eingang und David Richter-Trummer hervorragend und es für alle Teilnehmer eine Freude war dabei gewesen zu sein.

Es folgt ein Reisetagebuch von Christoph Hopfner, ein paar Bilder und ein kleiner Clip von Max Werdenigg.

TAG 0 – Donnerstag Noch schnell die letzten Utensilien in Neustadt eingepackt und schon geht es ab nach Nitra – Alles Autobahn, Schnitt 83 km/h, trotz Anhänger. 30 Kilometer vor dem Ziel rollen wir auf der Autobahn schon an einem weiteren Segelfluganhänger vorbei. Das „I“ am Kennzeichen macht schnell klar, dass es sich um unseren Chef-Meteorologen frü die kommende Woche, nämlich David Richter-Trummer handelt. Wir nehmen unterschiedliche Wege zum Flugplatz (es gibt deren 3). Max und ich sind die ersten dort und fahren etwas schüchtern auf das Gelände. Wo stellen wir nun den Hänger ab; wir zögern. Als wir jedoch in den Rückspiegel schauten kam auch schon ein Großteil der Mannschaft herangefahren. Was für ein Zufall: Ein Innsbrucker, Wiener, Grazer und ein Punitzer kommen gleichzeitig an, ohne vorher einen Treffzeitpunkt am Flugplatz vereinbart zu haben. Wenn man das planen möchte klappt das nie! Bleibt nur zu hoffen, dass alles so funktioniert, in der kommenden Woche. Den Hänger abgestellt und schon geht’s zur Unterkunft. Am Abend gab’s dort dann super Essen und gleichzeitig ein ausführliches Eröffnungsbriefing inkl. toller Einführung von Herman Eingang, Meteoreport durch David und alles Organisatorische von Klaus Ertl. So wie es aussieht dürften die nächsten Tage spannend, aber nicht unfliegbar werden. Insgesamt sind ca. 20 Piloten und eine Pilotin anwesend, aufgeteilt in Trainer, Veteranen (ehem. und erneute Teilnehmer) und die eigentlichen Trainees, darunter eben Max und ich.
TAG 1 – Freitag
Wie schon gestern vorhergesagt wurde, gibt es Wind; viel Wind und eine geschlossene Wolkendecke.
Eigentlich ein Tag zum daheim bleiben, doch wir fahren zum Flugplatz und rüsten die Flieger auf. Das geht aber nur nachdem die Hänger in den Wind gedreht wurden, da er von der Seite zu stark wäre. Außerdem ist es kalt.
Nach und nach sind alle Flieger zusammengebaut und man hat schon fast vergessen immer wieder in den Himmel zu blicken und plötzlich ist sie da: DIE SONNE.
Wir lassen uns vom Platz weg auf die nördliche Seite des Hausbergs schleppen und Fliegen dort 2-3 Achter im Hang. Die Luft ist unglaublich aktiv und so fliegen wir immer wieder gegen den Wind (bis 50km/h) ab, um uns danach in der Thermik wieder zurück an den Hang treiben zu lassen. Dabei stolpern fast alle in einen gepflegten Welleneinstieg und sehen die 4/8 Wolkendecke nur noch von oben. Einer davon ist Max. Ich fliege gemeinsam mit Hermann Eingang und Christoph Kalcher (weiterer GoldChallange Neuling) einige Stockwerke tiefer den Hang entlang. Die meiste Zeit um die 1000m immer wieder aber auch deutlich darunter. Mehrere male konnten wir uns nur am letzten “Misthaufen” wieder nach oben retten. Das gelingt leider nicht allen und Christoph Kalcher muss in’s Flache flüchten und außenlanden. Hermann und ich fliegen noch einige Kilometer weiter gegen den Wind und kehren im Becken von Prievidza um. Der Rückweg mit Wind von Hinten war dann, im Vergleich, kein Problem mehr.
Alles in allem ein Tag der die Erwartungen bei allen weit übertroffen hat und zumindest für mich unglaublich spannend und fordernd war.

TAG 2 – Samstag
Das ausgezeichnete Frühstücks-Wetterbriefing von David verspricht einen tollen Tag mit bescheidener Basis bis 1400NN, jedoch eine sehr labile und aktive Luftmasse. Doch es kam anders…, oder auch nicht, aber alles der Reihe nach.
Heute waren, zum Unterschied zu gestern, schon während dem Aufrüsten die ersten Cumuli zu bewundern. David sollte unser Teamlead für den heutigen Tag sein und ein 300km+ Task war schnell in unsere Rechner einprogrammiert. Im Team waren heute Walter Kruml, ein Segelfluglehrerneuling aus Wels, Max und ich.
Schon beim Hinausrollen auf die Startstelle wurde unsere Euphorie wieder auf den Boden zurückgeholt. Es zog zu und bald sah es am Platz aus als wäre es Spätherbst. Das gesamte Grid war jedoch aufgebaut und zwei Schleppmaschinen standen für uns bereit. Es wurde mit den Starts begonnen. David startete als erster aus unserem Team, musste jedoch wieder zurücklanden bevor der nächste von uns abheben konnte und auch die anderen hatten Probleme. Ich war kurz davor auszusteigen und zu sagen: „wird heute nichts, danke!“. Doch da wurde schon die Eurofox-Schleppmaschine vor meinen Discus gewunken und ich startete gerade aus Richtung Nirta Stadt. Man konnte sich dort an die Basis auf 1000m hocharbeiten, die Sicht war aber miserabel. Also gab es zwei Möglichkeiten: Erstere wäre gewesen, zurück Richtung Flugplatz zu fliegen, wo alle anderen kämpften doch ich entschied mich für Möglichkeit Nummer zwei, nämlich mich nach Norden vorzutasten. Dort verharrte ich in einem weiteren Bart in Basishöhe und wartete auf meine Teamkollegen.
Inzwischen ist auch Max nach einem mal absaufen das zweite mal gestartet und konnte sich mühsam und im gesamten restlichen Pulk in Platznähe halten. Unser Trainer David ist auch noch einmal gestartet, ich hörte aber nichts mehr von ihm. Nach kurzer Absprache war klar: ich bin heute auf mich allein gestellt.
Zwecks Übersicht werde ich die Berichte über Max’s und meinen Flug trennen.

Mein Flug:
Mit einer Basis von rund 1000m konnte ich mich Stück für Stück Richtung Nordosten vortasten. Dort begann es dann nach und nach aufzulockern, Cumuli entstanden und die Basis stieg auf 1400m an. Über den Funk konnte ich mithören, dass in Flugplatznähe (wo alle anderen waren) noch immer geschlossene Wolkendecke war, mit schlechten Steigwerten zu einer 900m Basis. Bei mir ging es, immer besser werdend, munter weiter und ich begann die ersten Wolken auszulassen. Ohne Probleme kam ich bis zum Becken der Stadt Martin, gut 80 km entfernt vom Platz, während die anderen im bedeckten Nitra noch immer versuchten oben zu bleiben. Im Martiner-Becken war der Himmel komplett blau, also keine Thermik zu erwarten und für die Berge war die Wolkenbasis (noch immer nur 1400-1500m) zu niedrig. Mir war klar, es ist Zeit umzukehren. Der Rückweg war problemlos… fast. 13km nordöstlich vor Nitra hatte ich 200m Ankunftshöhe zur Landung und die Luft war tot. Im Grunde alles kein Problem, wäre da nicht die 550m Meter hohe Hügelkette zwischen mir und dem Flugplatz gewesen. Es folgte die (für mich unvermeidliche) Außenlandung. Es handelte sich um einen tiefen, weichen Acker, aber ohne Steine. Alles in Ordnung, keine Schäden. Die Bergung (ja Bergung!) war mühsam, aber wurde dank drei toller Helfer super erledigt. Knapp 180km Strecke waren zurückgelegt.

Max Flug:
Max, mit dem ich über die gesamte Zeit in Funkkontakt war, flog lange Zeit im Teilnehmerfeld bei Nitra. Mehr aus Verzweiflung, als aus Zuversicht löste sich dann eine 3er Gruppe.
Hermann Eingang, Michi Lindorfer und Max. Michi und Hermann fliegen nach Norden in’s Flache, sie kommen tief und Michi landet auf einer Wiese. Hermann kann sich 100m über Grund noch nach oben kurbeln. Max wählt eine andere Linie, entlang einer Hügelkette, kommt in schöne Höhen und fliegt mir entgegen. Bei Partisanski zischt er an mir vorbei (ich war am Rückweg) und kommt auch noch bis Prievidza. Im Gegensatz zu mir jedoch auch wieder nach Nitra zurück, da er eine bessere Heimflug-Linie wählte und den letzten Hügel, nach einem sensationellen Wegkurbler aus niedriger Höhe, knapp überspringen konnte. Hermann Eingang zauberte auch noch etwas herum und schaffte ebenfalls den Rückflug nach Nitra. Er sah mir sogar von oben bei meiner Außenlandung zu und ich konnte mir meine Landewiese von ihm „absegnen“ lassen. Ein unglaublich angenehmer und kompetenter Typ!
Das Ergebnis des Tages: 15 Piloten und nur zwei Streckenflüge: Die Scheinneulinge aus Wiener Neustadt.
Noch eine nette Geschichte am Rande: Unser Teamkollege Walter ist auf einem aufgelassenen Agrarflugplatz mit Betonfeld „außengelandet“. Nach Absprache mit einer deutschsprachigen Mitarbeiterin am Flugplatz Nitra, wurde kurzerhand ein Schleppflugzeug zu ihm geschickt um ihn abzuholen. Wofür man in Österreich eine Genehmigung vom Landeshauptmann braucht, ist in der Slowakei innerhalb von Minuten erledigt.

TAG 3 – Sonntag
Eigentlich wäre das Wetter gleich wie gestern angesagt gewesen, doch die Wolkendecke blieb fast durchgehend geschlossen.
Natürlich startete das ganze Feld trotzdem und alle Flieger versuchen am Hausberg im leichten Südwind Höhe zu machen. Einige können sich halten, andere Fliegen sofort wieder zum Platz zurück. Hermann Eingang schafft mit Thomas Leitgeb aus Hirt, einem seiner Schützlinge am heutigen Tag, den Sprung in den schöneren Norden bis Prievidza. Dort schraubten sie sich an die Basis von 1600m und machten einen 50km+ Endanflug auf Nitra.
Sonst ist an diesem Tag niemand weggekommen. Max hat eine halbe Stunde lang gekämpft und dann eine Außenlandung auf einer schönen Wiese durchgeführt. Alles in Ordnung.
Ich bin nur 15 Minuten am Hang herumgezuckelt und noch aus komfortabler Höhe zurückgeflogen. Hatte keine Lust auf’s außenlanden heute.
Was uns natürlich gestern (Sonntag) schon bewusst war, war das Wetter, das auf uns zukommt. Somit sehen wir uns heute weniger den Wetterbericht für Nitra an, sondern nur noch die Webcams unserer Heimwege. Da es nicht die geringste Aussicht auf Besserung gibt, ist die GoldChallenge 2013 mit dem heutigen Tag, 5 Tage früher als geplant, beendet.

TAG 4 – Montag
Wie schon berichtet war gestern Früh schon allen klar, dass es ab nach Hause gehen wird. Aber anstatt sofort abzuhauen nutze ein kleiner Kreis noch die Möglichkeit eine Theorieeinheit mit David Richter-Trummer (BSC Meteo) und Herman Eingang (Segel- und Drachenflieger-Legende) abzuhalten. Das Thema war das Erkennen und Bewerten von Wetterlagen und deren Nutzung bei der Optimierung von Streckenflügen. In dieser Besetzung ein absolut gewinnbringender Vortrag. Natürlich konnte der vorgenommene Abreisezeitpunkt, nämlich 16 Uhr, nicht eingehalten werden.
Schließlich machten wir uns um 18 Uhr auf den Weg zurück nach Wiener Neustadt. Wer hätte damit gerechnet, dass uns doch noch ein Abenteuer bevor stand… Ab einigen Kilometern vor Bratislava herrschte auf der Autobahn dichtes Schneetreiben mit Schneefahrbahn. Somit wurde nach kurzzeitigen Traktionsproblemen eine Reisegeschwindigkeit von 60 km/h festgelegt. Da sich die Situation vor Wien weiter verschlechtert hatte, beschlossen Max und ich, dass es nicht zu verantworten ist, die Flugzeuge weitere 50km durch den Schnee zu bewegen und stellten die Hänger über Nacht in Wien ab.

Letztendlich bewerten Max und ich die heurige Gold-Challenge trotzdem positiv. Immerhin hatten wir drei spannende Flugtage, an denen wir uns ganz gut geschlagen haben und einen super-lehrreichen Abreisetag. Außerdem lernten wir viele gleichgesinnte kennen und durften viel über andere Vereine erfahren. Wenn man jedoch bedenkt, dass wir bei Bedingungen, bei denen man in Neustadt kein Hangartor öffnen würde, um die 150km am Hang, in Wellen und thermisch geflogen sind und sich ausmalt, was mit richtig gutem Wetter möglich gewesen wäre, bleibt natürlich auch eine gewisse Portion Enttäuschung übrig.